Auf zur Infotour!
Bei Radweg-Reisen nennen wir so Touren, die wir selbst testen. Diesmal wollten wir herausfinden, wie sich eine Doppelsterntour in Dänemark für Familien anfühlt – unterwegs mit zwei Schulkindern und einem einjährigen Baby.
Was ist eine Doppelsterntour und warum eignet sie sich für Familien?
Bei einer Doppelsterntour übernachten Sie – anders als bei unseren klassischen Radreisen – nur in zwei Hotels und starten von dort aus Ihre Tagesetappen. Das bedeutet: kein tägliches Kofferpacken, mehr Ruhe und deutlich entspannteres Reisen mit Kindern.
Da wir über 1100 km vor uns hatten, entschlossen wir uns, nachts loszufahren - mit Kindern die richtige Wahl, da sie die meiste Zeit schliefen. Bei der ersten Pause nach dem Grenzübergang nach Dänemark ahnten wir schon, dass Dänemark ein kinderfreundliches Land ist. Deutsche Raststätten haben selten solch schöne Spielplätze. Und unser Gefühl wurde im Laufe der Reise noch mehrmals bestätigt.
Das Hotel Faaborg Fjord liegt am Rande der Stadt Faaborg, direkt an der Dänischen Südsee. Bereits beim Abbiegen auf den hoteleigenen Parkplatz entdeckten wir den aufgeschütteten Sandstrand gegenüber dem Hotel. Noch ehe wir eincheckten überprüfte Maxi die Wassertemperatur – Ende August kann es schon ganz schön frisch sein.
Nach dem Einchecken machten wir uns mit den bereits angelieferten Mieträdern auf den Weg in die kleine Stadt, um sie zu erkunden. Es sind nur wenige Minuten Fahrzeit bis zum Hafen und zur Altstadt. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen riesigen, öffentlichen Park mit frisch getrimmtem Rasen. Ein einladender Badeort. Nach einem kurzen Spaziergang durch das wunderschöne, alte Städtchen stärkten wir uns bei einem Foodtruck am Hafen. Ich habe selten so leckeres „Fast-Food“ gegessen.
Mehr erfahren Weniger anzeigenDa am zweiten Tag neben starkem Wind auch immer wieder Regen angekündigt wurde, entschlossen wir uns für eine radlose Unternehmung. Als wir den Kindern berichteten, dass wir ins Museum gehen, waren sie natürlich nicht begeistert. Erst als wir erklärten, dass das ein altes Gefängnis war, hatten wir ihre Aufmerksamkeit. Das Museum war sehr authentisch und besaß zahlreiche originale Einrichtungen. Das deutsche Begleitheft half beim Verständnis sehr, denn in den einzelnen Räumen standen die Infos nur auf Englisch und Dänisch. Das Museum erzählte die Geschichte der Justiz anhand vieler Beispiele von Personen, die mit dem Gefängnis zu tun hatten. Wir wurden sofort abgeholt und in die Zeit zurückversetzt. Wir können den Museumsbesuch der anderen Art nur empfehlen!
Im Anschluss aßen wir in einem dänischen Gasthaus Smørrebrød. Positiv überrascht hat uns, dass es selbst in diesem urigen Restaurant Kinderstühle hatte.
Tag 3 startete mit einem schnellen Frühstück, da wir um kurz vor 9 unsere Fähre auf die Insel Ærø erwischen mussten. Da wir die Tage zuvor am Hafen waren, navigierten wir sicher dorthin. Es warteten bereits einige PKWs und Radler auf die Einschiffung. Die Aufregung der etwas hibbeligen Kinder war gut zu spüren. Während der Überfahrt genossen wir die Aussicht und diskutierten erneut, ob wir die lange Tour um die gesamte Insel fahren oder die kürzere Variante entlang der Nordküste wählen sollten. Schließlich entschieden wir uns für die große Runde – mit der Option, die Strecke bei Bedarf eigenständig abzukürzen.
Die ersten Kilometer auf der Insel legten wir mithilfe von Komoot zurück, hätten uns aber ebenso gut auf die sehr gute Beschilderung verlassen können. Auf den ruhigen Nebenstraßen wurde es zeitweise ziemlich laut. Wir wurden mehrmals von Gruppen auf Motorrollern überholt oder sie kamen uns grüßend entgegen. Die motorisierten Zweiräder auszuleihen, scheint hier beliebt zu sein.
Obwohl wir ordentlich in die Pedale traten, kamen wir aufgrund von mäßigem (Gegen-)Wind und dem teilweise holprigen Untergrund nicht so schnell voran wie vermutet. Nach ca. 15 km bemerkten wir, dass wir die große Runde um die Insel nicht ohne Verpassen unserer gebuchten Fähre schaffen werden konnten. Daher entschlossen wir uns von der vorgegebenen Route abzuweichen und abzukürzen. Die Insel ist langgezogen, aber recht schmal, sodass wir in wenigen Minuten in der Nähe der Fähre ankamen. Auf dem Weg dorthin besuchten wir eine alte Mühle, die zum Museum umfunktioniert wurde.
Da wir durch die Abkürzung viel Zeit eingespart haben, konnten wir noch schöne Momente am Strand verbringen. Etwas außerhalb von Ærøskøbing in der Nähe eines Campingplatzes fanden wir feinen Sandstrand mit türkisem Wasser. Die Sonne kam raus, sodass wir uns ins kalte Nass wagten. Ein herrliches Stück Erde.
Die Überfahrt nach Svendborg ging schnell vorbei und durch das lange Sitzen am Hafen und an Bord waren unsere Beine ausgeruht, doch die letzten Kilometer zum Hotel hatten es noch einmal in sich. Wir waren in Troense – einem Vorort von Svendborg – eingebucht, sodass noch ca. 8 km Radweg vor uns lagen. Dazu kam, dass wir über eine gewaltige Brücke mussten. Wegen des starken seitlichen Winds war hier zusätzlich Konzentration gefragt, um nicht umzukippen.
Glücklich, beim Hotel Troense angekommen zu sein, holte ich mit dem Rad und Kinderanhänger Pizza von einer Pizzeria in der Nähe. An ein Ausgehen mit den müden Kindern war nicht zu denken. Sie waren platt, aber glücklich und stolz die Etappe heute bewältigt zu haben.
Dänemark ist ein wundervolles Land mit gastfreundlichen Einwohnern, die viel Rücksicht auf Familien mit Kindern nehmen.
Tag 4 startete für mich mit einem tierischen Highlight. Früh morgens starrte mich im hoteleigenen Garten ein Reh an, das kurze Zeit später im anliegenden Wald verschwand. Wir hatten viel Zeit, um zu frühstücken, denn wir mussten erst um ca. 11 Uhr bei der Fähre sein. Heute sollte es zur kleinen Insel Skarö gehen.
Für die Kinder war es der Tag, auf den sie sich am meisten gefreut haben, denn auf der Insel wird ein ganz spezielles Eis hergestellt – das Bio-Eis ohne Zusatzstoffe oder die Verwendung von Rübenzucker. Stattdessen wird mit Seetang aus der Südsee oder Birkensaft gesüßt. Naschen mal anders.
Zuerst aber stand die 45-minütige Schifffahrt an, die wir überraschenderweise mit einem vollbesetzten Schiff machten. Die See war rau aufgrund des böigen Windes und als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, mussten wir die Kinder erst wetterfest machen. In der Zwischenzeit war das schon im Vorfeld gelobte Eiscafé mit den Touristen von der Fähre besetzt, sodass wir uns aufmachten die Insel zu erkunden, um anschließend das Eis zu probieren.
Die Insel war sehr klein und mit dem Rad rasch erkundet. Wir fanden eine windgeschützte Bucht und verweilten dort einige Zeit mit einem wundervollen Blick aufs Meer. Nachdem jeder mindestens zwei Kugeln vom besten Eis weit und breit vertilgt hat, ging es mit der Fähre wieder zurück nach Svendborg. Der Spielplatz direkt am Anleger erleichterte uns das Warten auf die Fähre. Die Überfahrt war entspannt und in Svendborg angekommen, aßen wir direkt am Hafen Fischburger zu Abend und fuhren anschließend die letzten Kilometer zurück zu unserem Hotel nach Troense.
Am fünften Tag unserer Radreise trennten wir uns als Familie. Ich wollte die in den Reiseunterlagen angegebene Strecke testen, während die Kinder mit Stephi einen Strand in der Nähe des Hotels aufsuchten. Die ersten Kilometer nach Svendborg waren wie aus dem Bilderbuch – der Radweg führte direkt am Meer und durch den angrenzenden Wald. Schnell erreichte ich den Ort Lundeborg, der mein Etappenziel war.
Die Rückfahrt von Lundeborg zog sich aufgrund anhaltenden Windes. Einige Kilometer legte ich auf der gleichen Strecke zurück, wie ich sie zuvor gefahren bin, ehe die Reiseunterlagen mich abbiegen ließen, damit ich das „Hinterland“ auch erkunden konnte. Die Strecke war zwar nicht so spektakulär, dafür kam ich an einer idyllischen Windmühle vorbei, wo ich meine erste längere Pause machte.
Meine Familie verweilte inzwischen bei einer Bucht in der Nähe des zu in der Zeit in Renovierungsarbeiten befindlichen Schlosses „Valdemar Slot“. Mit Proviant stieß ich nach über 50 km Radfahren dazu und genoss es meine Beine im Sand auszuruhen.
Bis auf ein paar Einheimische, die Ihre Fischernetze kontrollierten, war trotz sonnigen Wetters an der wundervollen Bucht nichts los. Wir verbrachten den kompletten Nachmittag bis zum Sonnenuntergang an diesem schönen Fleckchen. Ruhe pur.
Mit voller Vorfreude auf unsere letzte Etappe startete der sechste Tag mit einem ausgedehnten Frühstück. Der Blick auf die Wetter-App versprach wieder mal sonniges Wetter, mit dem Unterschied, dass es heute windstill sein würde. Diesmal teilten wir die Etappe zurück nach Faaborg in Abschnitte ein und schauten vorab, wo wir Päuschen einlegen könnten. Auch wenn das mit zwei radelnden Kindern und einem Baby im Anhänger nicht so einfach ist, sind wir recht zügig vorangekommen.
Das Meer sahen wir die ersten ca. 10 km, danach sind wir auf sehr ruhigen Nebenstraßen und durch kleine Dörfer gefahren. Auch wenn es keinen separaten Radweg gab, fühlten wir uns immer sicher. Insgesamt lief die letzte Etappe viel reibungsloser als die erste Etappe. Lag es nur am glatten Asphalt? Oder haben die Kinder in den wenigen Tagen bereits mehr Ausdauer bekommen? Wahrscheinlich war es eine Kombination aus beidem.
Etwa 10 km vor unserem Starthotel in Faaborg fuhren wir durch Wälder und Felder mit vielen kleineren Bauernhöfen. Zu beiden Seiten der Straße wuchsen dichte Brombeerbüsche mit reifen, schwarzen Früchten. Wir aßen so viel wir konnten. Vor allem unser Kleinster konnte nicht genug von den süßen Vitaminbomben bekommen, sodass er welche während der Weiterreise verspeisen durfte. Entsprechend blau sah er schlussendlich aus, als wir beim Hotel ankamen.
Nach einer kurzen Dusche besuchten wir mit den Rädern den Food-Truck vom ersten Abend, ehe ich mich schnell zur Ruhe legte. Wir schliefen die letzte Nacht nicht im Hotel, sondern fuhren wieder nachts los, damit wir dem Verkehr und quengelnden Kindern entgingen.
Dänemark ist ein wundervolles Land mit gastfreundlichen Einwohnern, die viel Rücksicht auf Familien mit Kindern nehmen. Sei es die vielen Spielplätze oder weil jedes noch so kleine Restaurant Kinderstühle zur Verfügung stellen kann. An jeder Ecke sind Parkbänke, die zum Verweilen oder Picknicken einladen. Ebenso gibt es viel mehr Mülleimer als in Deutschland, sodass es praktisch keinen herumliegenden Müll gibt. Die vielen herrlichen Buchten am Strand sind selbst im August so leer, dass man immer für sich bleiben kann.
Die Radtour rund um Ærø ist die perfekte Mischung aus Radfahren in idyllischer Umgebung und das Erkunden von kleinen Inseln in der Südsee per Fähren. Durch das Vorbuchen der Fähren muss man sich vor Ort um nichts mehr kümmern. Die ausgeliehenen Fahrräder waren perfekt eingestellt und liefen über die gesamte Reise einwandfrei. Eine rundum empfehlenswerte Tour!