Reisebericht: Radtour um das IJsselmeer

Von der Radweg-Reisen Mitarbeiterin Katrin Gierlinger

Amsterdam

Der Hafen in Bunschoten-Spakenburg

Kalenberg

Kühe auf der Weide

Muiderslot

Strand am IJsselmeer

Windmühle

Zuiderwoude

In den Niederlanden ist es, wie der Name bereits verrät, sehr flach. Ganz im Süden gibt es Berge, die über 300 m hoch sind, doch rund um das IJsselmeer ist es flach. Eine Radtour in dieser Region ist daher ein Leichtes – denkt man. Doch der Wind schafft es, dass selbst eine kurze Etappe mit dem Rad sehr beschwerlich werden kann. Katrin und Corinna haben sich aufgemacht, um auf ihrer Radtour um das IJsselmeer zu testen, wie sehr der Wind am größten See der Niederlande denn nun bläst. 

Von Katrin Gierlinger: 

Als wir uns für eine Radtour aus unserem Programm entscheiden durften, fiel unsere Wahl auf die Radtour um das IJsselmeer, da wir eine Mischung aus Wasser und Hinterland erwartet haben. Wichtig ist bei dieser Tour, dass man den Gegenwind nicht unterschätzen sollte – eine Strecke von 40 bis 50 km kann sich um einiges weiter anfühlen, als es klingt!

Katrin und Corinna

Wir haben uns dazu entschieden, die Tour nicht ab Huizen zu starten, wie es regulär vorgesehen ist, sondern ab Amsterdam. Das erleichterte uns die Anreise, da wir so den Flieger von Stuttgart direkt nach Amsterdam nehmen konnten. Aber auch wenn man die Tour in Huizen startet, ist die Anreise recht unkompliziert, da es eine Busverbindung von Amsterdam gibt. Bei Anreise mit dem Pkw empfiehlt sich der Start in Huizen, da am Anreisehotel Parkmöglichkeiten vorhanden sind. Schon vor der ersten Radtour hatten wir uns überlegt, wie das genau mit den Knotenpunkten funktioniert, die in den Niederlanden die Radwege kennzeichnen. Man findet sich damit aber sehr gut und schnell zurecht und die Orientierung unterwegs stellt kein Problem dar. Als Tipp für andere Radler können wir sagen, dass es wirklich noch einfacher ist, wenn man sich die Knotenpunkte jeden Tag notiert und man von Punkt zu Punkt fährt. So muss man nicht ständig an jedem Knotenpunkt das Kartenmaterial zu Rate ziehen. Mit den Übersichtskarten an etwa jedem zweiten Knotenpunkt kann man sich auch eine eigene Route zusammenstellen. Hilfreich vor allem, wenn man sich verfahren hat. 

eine Gracht in Amsterdam

Amsterdam

Das Westcord-Art Hotel in Amsterdam, in dem wir unsere Radreise beginnen, liegt etwas außerhalb des Zentrums. Man ist aber in 10 Minuten mit dem Bus am Hauptbahnhof und kann von dort aus die Stadt ganz einfach zu Fuß erkunden. Das Stadtzentrum ist alternativ auch recht schnell per Rad zu erreichen. Man sollte aber bedenken, dass in der Innenstadt mehr Radfahrer als Autos und zusätzlich noch viele Fußgänger unterwegs sind! Wenn man sich nicht so gut auskennt, kann es also ganz schön stressig werden. Auch wenn man das Rad irgendwo abstellt, sollte man sich genau merken wo – am Amsterdamer Hauptbahnhof stehen beispielsweise Hunderte (wenn nicht sogar Tausende!) von Rädern... Also nutzen wir hier doch lieber die öffentlichen Verkehrsmittel.

Zuiderwoude

Amsterdam – Volendam, ca. 35 km

An unserem ersten Radeltag haben wir es langsam angehen lassen, denn es waren auch nur 35 km. Somit hatten wir am Vormittag noch ein bisschen Zeit für Sightseeing in Amsterdam.
Beim Verlassen von Amsterdam kommt man am Passenger Cruise Terminal vorbei, wo viele Flusskreuzfahrtschiffe anlegen. Heute ging es teilweise am IJsselmeer entlang und auch viel durchs Hinterland und durch kleine, aber durchaus schöne Dörfer.
Unsere Mittagspause machten wir in Monnickendam und gönnten uns in einer kleinen Bäckerei einen leckeren Kuchen und eine heiße Schokolade. 

Unser Hotel in Volendam lag sehr schön direkt an der Promenade. Wir machten noch einen kleinen Spaziergang mit Blick aufs IJsselmeer und ließen uns den Wind um die Nase wehen. Vom schönen Sandstrand aus kann man das gegenüber liegende Ufer noch nicht mal erahnen. Man hat den Eindruck, am offenen Meer zu stehen, obwohl das Ijsselmeer ja eigentlich ein See ist.

Windmühle

Volendam – Enkhuizen, ca. 45 km

Der zweite Radtag war für uns der schönste! Man fährt die meiste Zeit am IJsselmeer entlang, mal hinter, mal auf dem Damm mit Blick aufs Wasser und vorbei an Windmühlen – genau so, wie wir uns Holland und das IJsselmeer vorgestellt hatten. Heute hat allerdings der Gegenwind dazu geführt, dass sich die Etappe um einiges länger angefühlt hat als 45 km. Kurz nach Volendam fuhren wir durch Edam und hatten schon vorab auf eine Käseprobe spekuliert. Leider verpassten wir dann aber irgendwie das Zentrum, sodass es mit dem Käse nichts wurde. Also ging es direkt weiter am Deich entlang. Der nächste größere Ort ist Hoorn, ein nettes kleines Städtchen. Hier bietet es sich an, eine Mittagspause zu machen, denn man hat etwa die Hälfte der Etappe geschafft. Es gibt eine Fußgängerzone und einen schönen alten Marktplatz mit diversen Cafés und Restaurants. Nach Hoorn ging es weiter durch die Landschaft und am IJsselmeer entlang nach Enkuizen.

Die Fähre von Enkhuizen nach Stavoren

Enkhhuizen – Lemmer, ca. 35 km + Schifffahrt 

Bei der heutigen Fährfahrt von Enkhuizen nach Stavoren hat man in der Hauptsaison die Wahl zwischen der Abfahrt um 8.30, 12.30 oder 16.30 Uhr. Man muss sich also gut überlegen, ob man mehr Zeit in Enkhuizen verbringen möchte oder doch schon früher startet und somit mehr Zeit für die Radetappe und Lemmer hat. Wir entschieden uns für die Fähre um 8.30 Uhr, sodass wir in Ruhe weiter radeln konnten. Wir hatten das Pech, dass es an diesem Tag ziemlich stürmisch war. Für Menschen, die seekrank werden, war das leider keine angenehme Überfahrt... Zu allem Überfluss begann es in Stavoren dann auch noch zu regnen und hörte auch so schnell nicht wieder auf. Irgendwann nahmen wir uns dann ein Herz und radelten, in Regenkleidung eingepackt, los. Es geht zunächst wieder hinter dem Deich entlang, später vorbei an Bauernhöfen und durchs Hinterland. Glücklicherweise hörte der Regen im Laufe des Tages wieder auf. Ein kleines Stück führte dann noch kurvig auf einem schmalen Weg durch ein Wäldchen, wo wir die frische Waldluft genossen.

in Kalenberg

Lemmer – Kampen, ca. 65 km

Vor diesem Tag hatten wir vorweg ziemlich Respekt: 65 km bei so viel Gegenwind wie die letzten Tage? – Das kann ja heiter werden. Dann wurden wir aber sehr positiv überrascht und die Etappe verging wie im Flug: Es windete kaum und die durchweg flache Landschaft brachte uns noch flotter voran. An diesem Tag fanden wir auch heraus, wie einfach es ist, den richtigen Weg wieder zu finden, wenn man einen Knotenpunkt verpasst hat – einfach auf der nächsten Karte, die man bei vielen Knotenpunkten zur Übersicht findet, nachschauen und sich ein paar andere notieren. Und schon ist man wieder zurück auf dem gewünschten Weg. Den Hauptteil der Strecke legten wir heute durch Bauernhöfe und Felder im Hinterland zurück. Unsere Mittagspause machten wir nach etwa 50 km radeln in einem kleinen Restaurant, wo wir typisch holländische Kost probierten: Kroketts und Bitterballen – eine frittierte Kartoffel- und Fleischpaste. Auf den ersten Biss etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus lecker! Der schönste Teil der Strecke verlief im Nationalpark De Weerribben an einem Kanal und kleineren Ortschaften mit traditionellen Häusern entlang. Gegen Ende der Etappe muss man dann noch mit einer kleinen Fähre über einen Fluss auf die andere Seite übersetzen – das geht aber ganz schnell und kostet nur 1 € pro Person mit Fahrrad.

Kühe auf der Wiese

Kampen – Harderwijk, ca. 45 km 

Der Tag begann für uns leider nicht so gut: Kaum aus Kampen raus, gab es eine Vollsperrung des Radweges, dessen Umleitung für uns nicht verständlich war. Dank des Knotenpunktsystems konnten wir uns aber unsere eigene Umleitung zusammenbasteln. Das bescherte uns jedoch einen Umweg von gut 10 Kilometern. Der weitere Weg verlief wieder durch Wiesen und Felder mit zahlreichen Kühen, Schafen, Ziegen und Pferden und ab und zu durch kleine Dörfer. Trotz des Umweges war Harderwijk schnell erreicht. Es ist eine nette Stadt mit kleinen Geschäften und einigen Restaurants. 

Unser Hotel lag sehr schön zwischen Fußgängerzone und Strand. An einem sonnigen Tag hätte man die Hotelterrasse direkt am Wolderwijd (einem See / Fluss) genießen oder den Abend bei einem Cocktail in der benachbarten Strandbar ausklingen lassen können. Wir hatten leider nicht so viel Glück mit dem Wetter und verbrachten den Abend in einem gemütlichen kleinen Restaurant.

Der Hafen in Bunschoten-Spakenburg

Harderwijk – Huizen, ca. 45 km

Das Wetter wurde leider über Nacht nicht besser. So warteten wir am Morgen mit der Abfahrt noch etwas ab, bis der Regen aufhörte. Leider war die Freude nur kurz, denn nach wenigen Kilometern war der Regen wieder da. Der erste Teil der Radstrecke verlief zwischen Fluss und Autobahn, was nicht so schön war. Dann ging es mit viel Gegenwind auf dem Deich weiter, anschließend wieder durch Felder und Wiesen. Ein Highlight unterwegs ist Bunschoten-Spakenburg, ein herrliches kleines Städtchen. Kurz danach muss wieder ein Fluss mit einer kleinen Fähre überquert werden. Heute machte uns der Gegenwind in Kombination mit dem Regen sehr zu schaffen und der Weg fühlte sich weiter an, als er es war.

Muiderslot

Huizen – Amsterdam, ca. 45 km 

Für den letzten Radtag hatten wir uns vorgenommen, die Strecke so schnell wie möglich zu radeln, um noch genügend Zeit in Amsterdam verbringen zu können. Der Plan war gut und es ging schnell voran, sodass wir schon gegen 13.00 Uhr am Hotel in Amsterdam angekommen sind. Nach einem kühlen Radler konnten wir auch schon aufs Zimmer und uns frisch machen. Am Nachmittag machten wir dann eine Grachtenfahrt und genossen die Sonne, die sich endlich wieder zeigte.
Zu Beginn dieser Etappe ging es ein ganzes Stückchen durch einen Wald, was sehr entspannend und schön zu fahren war. Dann folgten kleinere Orte, vorbei am Wasserschloss Muiderslot, bevor es auch schon durch die ersten Ausläufer von Amsterdam ging. Irgendwann erreichten wir dann wieder die bekannte Strecke vom ersten Radtag und waren schnell beim Hauptbahnhof und zurück am Hotel.

Wenn man die Reise nicht in Amsterdam startet, würden wir dort definitiv eine Zusatznacht empfehlen. Die Stadt ist sehr sehenswert und bietet eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das Anne Frank Haus oder das van Gogh Museum – hierfür sollte man einen kompletten Tag einplanen.

Am IJsselmeer

Unser Fazit

Wir empfehlen diese Tour jedem weiter, der insbesondere Wert auf entspanntes Radfahren, Landschaft und etwas Kultur legt. Man fährt auf dieser Reise durch viele kleine Dörfer und in jedem Ort gibt es mindestens ein Museum. Das Highlight war für uns Amsterdam und wir haben die Zeit auf dem Rad sehr genossen! Mit den Mieträdern waren wir sehr zufrieden. Anfangs fragten wir uns noch, wie man denn mit den sogenannten Hollandrädern fahren kann - aber wir waren sehr glücklich damit und man sitzt doch aufrechter und bequemer als auf dem Rad zuhause. Auch das E-Bike lief gut und war intuitiv zu bedienen.